Veranstaltungen  2025


21. Februar 2025

Vortrag von Manfred Schallinger „Warum die Grundsteuer seit mehr als 200 Jahren die Gemüter erhitzt“

oder wie wiedermal ein drohender Staatsbankrott in Bayern durch Errichtung eines Katasters zur modernen Bayerischen Finanzverwaltung führte. 

Der historische Vortrag von Manfred Schallinger im Pfarrheim Surberg spannte einen Bogen über die steuerliche Behandlung des Grundvermögens vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Ausgangspunkt war die derzeitige Diskussion über die teilweise stark gestiegene Grundsteuer ab 2025.

Schallinger zeigte auf, dass im Hochmittelalter die bayerischen Herzöge zunächst ihre Einnahmen ausschließlich aus ihrem Privateigentum bestritten, vor allem aus ihrem Grundbesitz, den sog. „Urbarsgütern“. Die Urbarsbauern mussten regelmäßige jährliche Abgaben und Scharwerke leisten. Neben den Einnahmen aus Urbarsgütern waren vor allem auch die Einnahmen aus Zöllen und Mauten von Bedeutung.

Die Landesherren mussten sich jedoch schon früh durch Steuererhebung finanzieren, da das Tafelsilber zur Finanzierung des zunehmenden und ausschweifenden Hof- und Beamtenapparats nicht ausreichte. Ab dem 14. Jahrhundert wurden dann alle Untertanen mit einer Steuer belegt. Herzog Otto III. von Niederbayern-Landshut hatte durch militärische Auseinandersetzungen und ein hohes Lösegeld nach einer Niederlage gegen Karl I. seine finanziellen Möglichkeiten weit überspannt. Der Geldbedarf konnte nur durch eine Steuer gedeckt werden, für die der Herzog am 15. Juni 1311 als Gegenleistung die sog. „Ottonische Handfeste“ ausstellen musste, in der er bedeutende Herrschaftsrechte, etwa die niedrige Gerichtsbarkeit auf den Gütern des Adels und der Geistlichkeit, preisgab. Diese Handfeste gilt als Entstehung der ersten bayerischen Verfassungsurkunde.

Anlässlich einer in Bayern-Landshut erhobenen Fräuleinsteuer, zur Finanzierung der Aussteuer der Prinzessinnen, von 1445 kam es erstmals zur Verwendung eines festen Hoffußes als Besteuerungsgrundlage. Dieser gilt als Vorläufer der Grundsteuer. Der Hoffuß teilte die einzelnen Bayernhöfe pauschal nach Größe und Ertragskraft.

Mit Herzog Wilhelm IV. (regierte von 1508 – 1550) begann das Schuldenmachen im Herzogtum Bayern. Gerechtfertigt wurde es immer mit der jeweiligen Landesnotdurft, vor allem für Verteidigungsbemühungen. Schallinger schilderte in seinem Vortrag die Entwicklung der Verschuldung im Herzogtum in den nächsten Jahrhunderten. Trotz zwischenzeitlicher Sparbemühungen befand sich das Herzog- und Kurfürstentum Bayern mehrmals am Rande eines Staatsbankrottes.

1808 kam es dann zur epochalen Wende in der Finanzverwaltung. Einher ging dies mit der Vermessung und Erfassung eines Katasters, mit der das inzwischen zum Königreich aufgestiegene Bayern führend in Europa wurde. Dabei wurden alle Grundstücke in Bayern nach ihrer Größe, Bonität und Nutzungsart vermessen und beschrieben.

Gespickt wurde der Vortrag mit Anekdoten und einem geschichtlichen Überblick über das Rentamt Traunstein und dessen berühmtem Rentamtmann Hartwig Freimund Peetz. Er war Heimatforscher und Verfasser zahlreicher heimat- und volkskundlicher Beiträge. Neben zahlreichen überörtlichen Auszeichnungen wurde Peetz 1882 zum Ehrenbürger der Stadt Traunstein ernannt. Noch heute ist eine Straße in Traunstein nach ihm benannt.

 Mit viel Sachverstand und einem Schuss Humor führte Manfred Schallinger durch den Abend. So wurde aus einem vermeintlich „trockenen“ Thema eine sehr kurzweilige, gelungene Veranstaltung.


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